Demenzsyndrom

Demenzsyndrom

Je früher Demenzerkrankte zu mir in die Praxis kommen, desto größer ist meist der Therapieerfolg. Da die Erkrankung schleichend verläuft, nehmen im Alltag immer mehr Fähigkeiten und Fertigkeiten ab, ohne dass es zuerst auffällt. Der Patient bemerkt, dass er etwas nicht kann und versucht dies meist zu überspielen. Durch die Unsicherheit sinkt meist auch das Selbstwertgefühl. Die Angehörigen bemerken die Schwierigkeiten und die Verzweiflung und nehmen automatisch dem Patienten die Dinge ab.

Da die Demenz bei jedem Menschen ganz unterschiedlich ausgeprägt sein kann, führe ich zu Beginn eine ausführliche Anamnese und darauf aufbauend eine Befundung durch. Ich setze dann gemeinsam mit dem Patienten und wenn möglich mit dem Lebenspartner/Kind Behandlungsziele fest. Dabei ist es ganz wichtig, zu erfahren, was dem Patienten wichtig ist. Falls er z.B. sehr gerne einkaufen gehen würde und sich nur nicht mehr traut und ihn der Partner aus unterschiedlichen Gründen/Ängsten auch nicht gehen lassen mag, versuche ich die Problematiken zu erfassen und gebe Tipps, wie man es besser handhaben könnte. Ziel ist die Selbstständigkeit und die Alltagsaktivitäten so lange wie möglich zu erhalten.

Des weiteren biete ich ein Bewegungsprogramm an, da jede Aktivität auch den Stoffwechsel in Gang bringt. Danach überlege ich mit ihnen gemeinsam, was es für kognitive Übungen im Alltag geben könnte, wie z.B. über Familienangehörige oder Bekannte zu sprechen, über den gestrigen Tag reden, ein Hobby finden etc. Und ich biete Hirnleistungstraining an. Wichtig ist, dass sich der Patient durch die Übungen bestärkt fühlt und auch seinen Körper durch die Bewegung mehr wahrnimmt.

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Unter dem Oberbegriff „Demenzsyndrom“ werden Erkrankungen zusammengefasst, die mit einem fortschreitenden Abbau intellektueller und mnestischer Leistungen einhergehen. Als Leitsymptom gilt die Merkfähigkeitsstörung.
Im Vordergrund stehen folgende Fähigkeitsstörungen:

  • Merkfähigkeits- und Gedächtnisstörungen
  • Sprach- und Kommunikationsstörungen
  • Psychosoziale Störungen
  • Orientierungsstörungen
  • Denkstörungen
  • Affektstörungen
  • Motorische Funktionsstörungen

 

Die Behandlungsverfahren orientieren sich z.B. an der Stadieneinteilung nach B. Reisberg (Einteilung in 7 GDS-Stadien):

 

1. GDS-Stadium

  • Behandlung nicht erforderlich

 

2. GDS-Stadium

  • Hirnleistungstraining
  • mit starkem Realitäts- und Biographiebezug
  • mit speziellen Programmen
  • Psychisch-funktionelle oder
  • Sensomotorisch-perzeptive Behandlung
  • unter Einbeziehung handwerklicher und gestalterischer Techniken

3. GDS-Stadium

  • Hirnleistungstraining mit lebenspraktischem Bezug
  • Psychisch-funktionelle oder
  • Sensomotorisch-perzeptive Behandlung evtl. als Hausbesuch im häuslichen Umfeld des Patienten
  • unter Einbeziehung handwerklicher und gestalterischer Techniken
  • mit Methoden zur Wahrnehmungs- und Kommunikationsförderung
  • mit Training der Selbsthilfefähigkeiten
  • Beratung und Anleitung der Betreuungspersonen im Umgang mit dem Patienten zur Bewältigung der alltagsrelevanten Situationen
  • Sollte die Therapie noch in der Praxis möglich sein und nicht als Hausbesuch erfolgen, müsste zusätzlich verordnet werden: Umfeldanpassung

4. GDS-Stadium

  • Hirnleistungstraining mit lebenspraktischem Bezug
  • Psychisch-funktionelle oder
  • Sensomotorisch-perzeptive Behandlung evtl. als Hausbesuch im häuslichen Umfeld des Patienten
  • unter Einbeziehung handwerklicher und gestalterischer Techniken
  • mit Methoden zur Wahrnehmungs- und Kommunikationsförderung
  • mit Training der Selbsthilfefähigkeiten
  • Beratung und Anleitung der Betreuungspersonen im Umgang mit dem Patienten zur Bewältigung der alltagsrelevanten Situationen
  • Sollte die Therapie noch in der Praxis möglich sein und nicht als Hausbesuch erfolgen, müsste zusätzlich verordnet werden: Umfeldanpassung

5. GDS-Stadium

  • Psychisch-funktionelle oder
  • Sensomotorisch-perzeptive Behandlung als Hausbesuch im häuslichen Umfeld des Patienten
  • unter Einbeziehung handwerklicher und gestalterischer Techniken
  • mit Methoden zur Wahrnehmungs- und Kommunikationsförderung
  • mit Methoden zur Körper- und Selbstwahrnehmung
  • mit Training der Selbsthilfefähigkeiten
  • Beratung und Anleitung der Betreuungspersonen im Umgang mit dem Patienten zur Bewältigung der alltagsrelevanten Situationen

 

6. GDS-Stadium

  • Psychisch-funktionelle oder
  • Sensomotorisch-perzeptive Behandlung als Hausbesuch im häuslichen Umfeld des Patienten
  • mit Methoden zur Körper- und Selbstwahrnehmung
  • ständige Adaptionen des Umfeldes an die zunehmende Pflegebedürftigkeit
  • Beratung und Anleitung der Betreuungspersonen im Umgang mit dem Patienten zur Bewältigung der alltagsrelevanten Situationen

7. GDS-Stadium

  • Psychisch-funktionelle oder
  • Sensomotorisch-perzeptive Behandlung als Hausbesuch im häuslichen Umfeld des Patienten
  • mit Methoden zur Körper- und Selbstwahrnehmung
  • ständige Adaptionen des Umfeldes an die Pflegebedürftigkeit
  • Beratung und Anleitung der Betreuungspersonen im Umgang mit dem Patienten zur Bewältigung der alltagsrelevanten Situationen
  • Hilfsmittelversorgung mit Anleitung der Betreuungspersonen im richtigen Gebrauch

 

Übergeordnete Ziele, unabhängig vom Stadium der Erkrankung

 

Eine geborgene Atmosphäre schaffen, um Sekundärschäden zu vermeiden
Die Fortführung der in der Therapie erarbeiteten Kompensationsmöglichkeiten zu gewährleisten
Die persönliche Ausgeglichenheit und Identität des Patienten zu erhalten
Die persönlichen Beziehungen zwischen Patient und seinen Angehörigen zu entlasten und zu erhalten
Die Sozialkontakte des Patienten und seiner Angehörigen zu erhalten

 

Angehörigenberatung, unabhängig vom Stadium der Erkrankung

 

Wissen über die Funktionsstörungen vermitteln
Verständnis für diese Störungen aufbauen
Übertragung von Therapieansätzen in den Alltag ermöglichen
Unsicherheiten im Umgang mit dem Patienten vermindern
Wissen um Möglichkeiten im Umgang mit dem Patienten vermitteln

[Quelle: DVE 2004]